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2.2  Das aktive Zuhören / Verbalisieren
In Gesprächssituationen reagieren wir unmittelbar auf den Gesprächsbeitrag des anderen. Wir widersprechen, kommentieren oder geben Ratschläge. Selten fragen wir nach oder prüfen, ob wir verstanden haben, was der andere sagt. Wir hören zu und glauben verstanden zu haben, was unser Gegenüber sagt. Das führt beim Gesprächspartner häufig zu einem Gefühl, missverstanden worden zu sein. Beide Partner haben oft den Eindruck, zum anderen keinen richtigen Zugang zu finden. Die Ursache hierfür liegt in den unterschiedlichen Wahrnehmungswelten und Wertsystemen der GesprächspartnerInnen. Er-kenntnisse aus der Wahrnehmungs- und Sozialpsychologie zeigen, dass Menschen ihre Umwelt unterschiedlich wahrnehmen und Situationen und Prozesse unterschiedlich bewerten. In der Kommunikation mit anderen treffen also verschiedene Wahrnehmungsmuster aufeinander. Auch wenn die gleichen Worte gewechselt werden, rufen sie doch unterschiedliche innere Bilder und Interpretationsmuster ab.

Mit der Gesprächstechnik des Verbalisierens, auch aktives Zuhören genannt, können wir uns dem Wahrnehmungsmuster des anderen annähern und die Bedeutung der Gesprächsbeiträge verstehen lernen. Dadurch kann bessere Kommunikation und Verstehen im Gespräch erreicht werden. Das Verbalisieren ist eine Grundregel für die Gesprächsleitung, die für alle im Buch beschriebenen Gesprächsformen, ob Einzel- oder Gruppengespräch, benötigt wird.

Verbalisieren meint nicht die Wiederholung oder Nacherzählung der Äußerungen des Gesprächspartners, sondern die sinngemäße Wiedergabe eines Gesprächsbeitrages mit eigenen Worten. Die Gesprächsleitung sichert damit ab, dass sie den Gesprächsbeitrag richtig verstanden hat. Dem/r GesprächspartnerIn hilft das Verbalisieren, sich bewusst zu werden, was er/sie mitteilen will, und er/sie kann überprüfen, wie seine/ihre Aussage verstanden worden ist. Dadurch können Missverständnisse schon im Entstehen verhindert beziehungsweise überwunden werden.

2.2.1   Die Wertebene des Verbalisierens
Zuhören und überprüfen, was verstanden worden ist und nicht gleich mit einem Kommentar oder einem Ratschlag kontern, schafft in Gesprächen eine Atmosphäre von Akzeptanz. Es ermöglicht den TeilnehmerInnen, sich auf persönlich bedeutsame Themen einzulassen. Wir verstehen das Verbalisieren nicht nur als eine reine „Gesprächsregel“, sondern als eine innere Haltung gegenüber dem Gesprächspartner, die Interesse und Wertschätzung signalisiert.

Der Gesprächsleitung ermöglicht das Verbalisieren, Standpunkte, Meinungen, Sichtweisen und Erfahrungen der einzelnen TeilnehmerInnen zu verstehen. Es hilft auch, die Kernthemen in Gesprächsrunden heraus zu filtern und die angestrebten Ziele effektiv und zügiger zu erreichen. Zurückhaltende TeilnehmerInnen werden zum Reden motiviert und sogenannte „Vielredner“ fühlen sich schneller verstanden und können sich kürzer fassen.