Aktuelles  Seminartermine  Publikationen  Zertifikate  Philosophie  Referenzen  Team  Kontakt & Impressum  Sitemap 

 Berufszufriedenheit 
 Büroorganisation 
 Burnout-Prophylaxe 
 Coaching 
 Fundraising 
 Gesprächsleitung 
 Inspirierend leiten 
 Internetkompetenz 
 Konfliktmoderation 
 Kursleitung 
 Öffentlichkeitsarbeit 
 Sinus-Pastoral 
 spirituell unterwegs 
 Lernprogramme 
 SERVICE 
 LERNPLATTFORM 
 Referent/in werden 
 Trainer/in werden 


Charismen im Internet finden

Eine spirituell-theologische Grundlegung einer kirchlichen Internetstrategie

Soziale Netzwerke als Knotenpunkte der Kommunikation:
Jugendliche und junge Erwachsene nutzen das Internet sehr häufig – ca. 1-2 Stunden täglich. Dabei stehen neben Wikipedia, Google und YouTube die Sozialen Netzwerke (StudiVZ, SchuelerVZ, Facebook) im Mittelpunkt der Internetnutzung. Die JIM Studie und die ARD ZDF Online Studie belegen diesen stabilen Trend.

Religion ist auch in den sozialen Netzwerken präsent:
In den sozialen Netzwerken bilden sich ohne organisationelle Anregung, Unterstützung oder Finanzierung viele religiöse Gruppen. Link auf  Studie von Jürgen

Die Gemeinden, Einrichtungen und Verbände verfügen über keine zusätzlichen Ressourcen:
Die Hauptpräsenz von Kirche geschieht an den Schnittstellen, d.h. in den Gemeinden / Seelsorgeeinheiten, Einrichtungen, Verbänden, Pfarreiengemeinschaften. Dort sorgen tausend Hauptamtliche und Ehrenamtliche für den Kontakt der Menschen, auch der Jugendlichen mit Kirche. Diese Mitarbeiter sind nicht zuletzt durch Umstrukturierungsprozesse zeitlich und finanziell bis über die Grenzen ausgelastet. Ressourcen stehen kaum zur Verfügung. Dennoch sehen diese Mitarbeiter, nicht zuletzt aufgrund von Erfahrungen mit eigenen Kindern oder Kontakten zu Jugendlichen, den fundamentalen Wandel in der Art und Weise, wie Jugendliche kommunizieren. 

Die Gesellschaft teilt sich in 10 Milieus:
Wir leben in der Sinus-Gesellschaft. Sie splittert sich in 10 etwa gleich große Milieus, die sich gegenseitig kaum noch verstehen. Man kann es an den Kirchengemeinden beobachten. Sie erreichen mit ihren jetzigen Angeboten (Sonntagsgottesdienste, Pfarrbriefe, Flyer) die Milieus der Traditionalisten, Bürgerlichen Mitte, Konservativen und noch die Postmodernen. Besonders die jungen Milieus, der Hedonisten, Modernen Performer, Experimentalisten sind dagegen im Internet unterwegs.

Motivation statt Überforderung an der Basis herstellen:
Eine erfolgreiche Strategie muss darin bestehen, vor allem die Mitarbeiter an der Basis zu unterstützen und nicht zu überfordern. Oftmals sind Projekte auf der mittleren Ebene) dadurch gekennzeichnet, dass sie hohen personellen oder finanziellen Aufwand erfordern. So werden für das Internet externe Agenturen beauftragt, die Webdesign, Technik etc. umsetzen und die Kosten für solch ein Projekt sind schnell im 4-5 stelligen Bereich.

Preiswerte Kommunikationstechnologien
Auf den ersten Blick scheint das Internet nur zusätzlichen Kommunikationsaufwand zu erfordern, der zudem bei Agenturen eingekauft werden muss. Die neuen Internettechnologien, die unter der Überschrift „Social Web“ geführt werden, sind jedoch kostenfrei und versammeln bereits viele religiöse Gruppen. Man muss nicht Neues aufbauen, sondern braucht zuerst nur Vorhandenes zu vernetzen. Wer sich bei diesen Gruppen einklinkt, erkennt: Das Internet ist nicht ein neuer Kanal, der im alten Schema Sender – Empfänger immer wieder aufwendig bestückt werden muss, sondern der die Möglichkeit bietet, die Potentiale des Internets zu sehen.

Eine Strategie für die Sinusmilieus:
Das Internet ermöglicht es sehr viel einfacher, die verschiedene, vor allem die jungen Milieus zu erreichen, die mit der Sinusstudie beschrieben werden. Ein wichtiges kommt hinzu: die jeweils aktiven Mitglieder eines Milieus, die sich religiös engagieren, sind bereits in den vorhandenen Gruppen zu finden. Dasgitl vor allem für die jüngeren Milieus.

Die Charismen im Netz entdecken und unterstützen:
Die in den verschiedenen Netzwerken aus eigenem Antrieb aktiven religiösen Nutzer sind der Schlüssel einer kirchlichen Internetstrategie. Theologisch gesprochen bieten die verschiedenen Netzwerke die Möglichkeit, in den verschiedenen Milieus die Charismen zu identifizieren. Diese können gezielt unterstützt und gefördert werden. Dies sind die Kommunikatoren, Mediatoren des Evangeliums in den verschiedenen Milieus über das Medium Internet, dem primären Ort der Sozialisation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen (wie die BDKJ Sinusjugendstudie resümiert) Wer sind diese Charismen? Das sind die Jugendlichen, jungen Erwachsenen, die religiöse Gruppen in den sozialen Netzwerken gründen und Gruppenmitglieder um sich scharen.

Wie sieht die Unterstützung konkret aus?
Einfachste Ebene: Verlinkung. Viele der religiösen Gruppen in den Netzwerken sind nicht verlinkt mit der Webseite der Gemeinde Einrichtung etc. Beispiel: Die Pfarrgemeinde St. Hedwig hat eine Webseite. Uwe, der Obermessdiener hat aber schon längst in SchülerVZ eine Gruppe mit mittlerweile 26 Mitgliedern für die Messdiener von Sankt Hedwig angelegt. Beide Internetangebote stehen isoliert nebeneinander, statt aufeinander hinzuweisen. Die Initiatoren dieser Gruppen sollten Wertschätzung und Unterstützung erfahren, eingeladen werden, eingebunden werden in die Öffentlichkeitsarbeit.

Erstkontakt herstellen, auf die Menschen zugehen:
Neben der thematischen Gruppensuche in den Netzwerken bieten die meisten Communitys auch die Möglichkeit, Personen nach Orten zu suchen. Neben den bereits aktiven religiösen Nutzern können dadurch auch neue Erstkontakte aufgebaut werden. ‚
Blogger als Mediatoren im Netz:
Dasselbe gilt für christliche Blogger. Die erste Konferenz christlicher Blogger ist ein wichtiges Ereignis im Kirchengeschehen. Blogger werden in Ihrem Wert für die Kommunikation der Kirche noch kaum wahrgenommen.
Jugendliche ans Netz heranführen:
Ermutigung und Befähigung zum digitalen Zeugnis. In sozialen Netzwerken oder bei blogger.com oder wordpress.com können Jugendliche ohne großen Aufwand eigene Gruppen bzw. Blogs anlegen. Kirche sollte vor Ort die Jugendlichen gezielt an das Medium Internet heranführen und diese in ihrer Sprachfähigkeit unterstützen. Die Erfahrung zeigt, dass man schnell  die Erfahrung macht, dass ein Blog oder eine Gruppe (z.B. in StudiVz oder Facebook) einfach anzulegen und zu pflegen sind.

Das Social Web bietet eine Möglichkeit, aus den verschiedenen Milieus Kommunikatoren zu finden, ohne dass die Hauptamtlichen sich Gedanken machen müssen, wie Sie die 10 Milieus wohl erreichen können.
Erste Studien deuten darauf hin, dass die verschiedenen Milieus auch in verschiedenen Communities aktiv sind: So hat z.B. myspace ein anderes Publikum als die Business Community XING, und diese wiederum ein anderes Publikum als wer-kennt-wen. Die Vielfältigkeit der Sinusmilieus bildet sich also auch in den verschiedenen Communities ab.
 
 
Flankierende Maßnahmen:
Der Charisma Gedanke sollte im Vordergrund stehen: Wer hat ein Charisma hat, sollte angesprochen werden.

Arbeiten mit Open-Source Software: Viele Agenturen bieten ihren kirchlichen Kunden maßgeschneiderte Programmlösungen an, die lizenzpflichtig und mit einem hohen Pflegeaufwand verbunden sind. Die Weiterentwicklung wird meistens von Seiten der kirchlichen Kunden mitbezahlt. Open Source hingegen ist lizenzfrei und wird von der Gruppe weiterentwickelt, die hinter einer Software steht. Meist sind diese Programme auch noch kostenfrei.

Jürgen Pelzer