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Leitung – die theologische Basis

Leitung, ob eines Unternehmens oder einer Non-profit-Einrichtung, orientiert sich am Unternehmensziel. Die Leitung wird daran gemessen, ob sie alle personellen und finanziellen Ressourcen so organisiert, dass das Unternehmensziel erreicht wird. Das kann nicht allein am wirtschaftlichen Erfolg gemessen werden, denn an vielen Firmen und auch caritativen Einrichtungen hat sich gezeigt, dass eine einseitige Ausrichtung am Unternehmensgewinn das Unternehmen ruiniert. Langfristig entscheidend ist der Kundenutzen.
Bei Non-Profit-Unternehmen besagt der Name bereits, dass wirtschaftlicher Erfolg kein Kriterium sein soll. Deshalb lässt sich der Erfolg nur am Nutzen für diejenigen messen, für die die Einrichtung tätig ist, das sind für den Kindergarten die Kinder und Familien, für das Krankenhaus die Kranken. Religiöse Institutionen, im Großen wie im Kleinen, habe die Beziehung zu Gott als zentrales „Unternehmensziel“. Auch wenn man versucht, an den Kirchgangszahlen den Erfolg des „Unternehmens Kirche“ zu messen, kann eine solche Zahl nur ein Hinweis sein.
Hier ist es ähnlich wie in der Politik. Der Erfolg einer Regierung wird an den Wahlergebnissen und zwischendurch an demoskopischen Umfragen „gemessen“. Diese Zahlen spiegeln die Einschätzung der Bevölkerung wider. Eine Regierung und ihre Mehrheit im Parlament müssen jedoch auch Entscheidungen treffen, die für die Bevölkerung Einschränkungen oder höhere Steuern zur Folge haben. Das kann zur Folge haben, dass die Koalition abgewählt wird. Die Historiker werden möglicherweise die Entscheidungen nach 100 Jahren anders einschätzen als die Wähler. Deshalb werden die Minister nicht auf den Wählerwillen vereidigt, sondern auf das Grundgesetz. Eigentlich legitimiert sich Politik dadurch, dass sie die Wertvorstellungen des Grundgesetzes in den jeweiligen politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten konkret umsetzt.
Für religiöse Einrichtungen ist die jeweilige Gründungsschrift die Basis, auf der Leitung handeln kann. Sowohl die Bibel wie auch der Koran legen die Idee der religiösen Gemeinschaft und damit die Aufgaben der Leitung dar.

Die spezifisch christliche Leitungsaufgabe
In den verschiedenen Büchern der Bibel zieht sich eine Linie durch, die dem Christentum eine besondere Leitungsidee ermöglicht, die nicht einfach darin besteht, dass die göttlichen Anordnungen zu befolgen und Gottesdienste zu feiern sind. Bereits in der jüdischen Bibel, dem Alten Testament der Christen, gibt es Erzählungen von der Berufung einzelner Menschen, von Abraham, Moses, Samuel und den Propheten. Es gibt nicht nur die vorgegebenen Rahmenbedingungen, die für alle gleichermaßen gelten, sondern einen konkreten Auftrag, den einzelne Menschen von Gott erhalten und den sie für die Gemeinschaft, im Blick auf einzelne Menschen umsetzen sollen. An einzelnen Propheten, besonders an Jeremias, wird deutlich, dass Menschen mit dem Auftrag, den sie von Gott erhalten haben, auf erheblichen Widerstand treffen können. Jesus hat sein Schicksal im Kontext der Schicksale von Propheten gedeutet. 
Im Neuen Testament wird die Idee eines göttlichen Auftrags auf alle Gemeindemitglieder ausgedehnt. Ein solcher Auftrag wird Charisma genannt. In dem Wort schwingt auch die Bedeutung einer Begabung mit. Paulus beschreibt die Charismen als Dienste, die dem Aufbau der Gemeinde dienen. Die Begabung, die auch immer den Auftrag beinhaltet, im Sinne seines Charismas, seiner Berufung, tätig zu werden, sind das Thema der Leitung.


Den Charismen ihren Platz geben
Wenn Paulus im 12. Kapitel des 1.Korinterbriefs die Charismen beschreibt (s.u.), kommt er auch zu der Frage, dass die Charismen Gemeindemitglieder nicht in Gegensatz bringen, sondern geordnet für den Aufbau der Gemeinde wirksam werden können. Paulus, der seine Gemeinden teilweise durch Briefe und Gesandte aus der Ferne leitet, gibt das Bild der Glieder eines Leibes vor. Jedes Glied hat seine spezielle Aufgabe und soll nicht die eines anderen übernehmen wollen. Nur wenn jedes Glied seine Aufgabe erfüllt, kann der Leib existieren.
Dem Leitungsamt sind vom Geist Gottes bereits die Charismen vorgegeben. Unter theologischen Prämissen leiten, heißt also nicht zuerst, das kirchliche Leben zu organisieren, sondern auf das zu blicken, was Gott der Kirche geschenkt hat – eben die Berufungen. Diesen ihren Platz zu geben, ist erste und entscheidende Aufgabe des kirchlichen Leitungsamtes. Weiter ist es Aufgabe der Leitung, Spannungen, die sich notwendig im Miteinander der unterschiedlichen Charismen ergeben, aufzulösen. In den Briefen an Timotheus und Titus wird das konkret beschrieben. (s.u.)
Dieser Ansatz, von den Begabungen auszugehen und diese im Sinne des Unternehmens einzusetzen, ist auch der Schlüssel erfolgreicher Unternehmensführung. Der Wert eines Unternehmens bemisst sich letztlich nicht am Börsenkurs, sondern an den Kompetenzen der Mitarbeiterschaft. Diese auf das Unternehmensziel hin zu koordinieren macht den langfristigen Erfolg eines Unternehmens aus. Aus diesem Grund suchen Manager in den Ordensregeln Anhaltspunkte für eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Leitung.

Über die Charismen schreibt Paulus im 12.Kapitel des 1.Korinterbriefes:
„Auch über die Gaben des Geistes möchte ich euch nicht in Unkenntnis lassen, meine Brüder. ….
Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist.
Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn.
Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen. Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.
Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem andern durch den gleichen Geist die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln, dem dritten im gleichen Geist Glaubenskraft, einem andern - immer in dem einen Geist - die Gabe, Krankheiten zu heilen, einem andern Wunderkräfte, einem andern prophetisches Reden, einem andern die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden, wieder einem andern verschiedene Arten von Zungenrede, einem andern schließlich die Gabe, sie zu deuten.
Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will.  (Verse 1, 4-12)

Über die Zuordnung der Charismen heißt es, dargestellt am Bild des Leibes, im gleichen Kapitel:
„Auch der Leib besteht nicht nur aus einem Glied, sondern aus vielen Gliedern. Wenn der Fuß sagt: Ich bin keine Hand, ich gehöre nicht zum Leib!, so gehört er doch zum Leib. Und wenn das Ohr sagt: Ich bin kein Auge, ich gehöre nicht zum Leib!, so gehört es doch zum Leib. Wenn der ganze Leib nur Auge wäre, wo bliebe dann das Gehör? Wenn er nur Gehör wäre, wo bliebe dann der Geruchssinn? Nun aber hat Gott jedes einzelne Glied so in den Leib eingefügt, wie es seiner Absicht entsprach.“ Verse 14-18
Im Brief an Titus heißt es:
„Ich habe dich in Kreta deswegen zurückgelassen, damit du das, was noch zu tun ist, zu Ende führst und in den einzelnen Städten Älteste einsetzt, wie ich dir aufgetragen habe. Ein Ältester soll unbescholten und nur einmal verheiratet sein. Seine Kinder sollen gläubig sein; man soll ihnen nicht nachsagen können, sie seien liederlich und ungehorsam.“ Kap. 1,5 - 3,11
Es wird deutlich, dass wer für eine Aufgabe eingesetzt werden soll, sich an den christlichen Lebensprinzipien orientieren soll.