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Was steckt hinter der teilnehmerorientierten Didaktik?

Lernen ist etwas, was zu einem Ziel führen soll. Meist wird das Ziel vorgegeben, z.B. ein bestimmte Qualifikation, die für den Arbeitsplatz gefordert ist. Oder die Fortbildung soll mit einer Prüfung abgeschlossen werden. Was können die Teilnehmer anders, als den Stoff durcharbeiten, sich die Fertigkeiten durch Training aneignen. Es scheint zwingend, dass eine Fortbildung an den Inhalten und Kompetenzen orientiert sein muss und nicht an den Teilnehmern. Was macht trotzdem Teilnehmerorientierung zu der lerneffektiveren Methode als wenn die Institution und die Referenten Stoff-orientiert arbeiten?

Es geht um die Teilnehmer, die Kunden, um diejenigen, für die ein Angebot gemacht wird. Dabei hat der Anfang eine besondere Bedeutung. Menschen, die zu einer Veranstaltung, einem Fest, in ein neues Team kommen, brauchen eine gut begehbare Brücke, um mit den anderen schnell in Kontakt zu kommen. Teilnehmerorientierung heißt in diesem Fall, diese Brücke zu bauen. Die Leitung braucht ein Verfahren, das die Anfangssituation erleichtert. (s. Eingangsphase/Ankommen)

Diejenigen, die sich für einen Sprachkurs, eine Fortbildung, einen Gruppenreise, einen Segelkurs entscheiden, wollen wissen, mit welchen Menschen sie so viel Lebenszeit verbringen. Sie kommen aber auch mit bestimmten Vorstellungen darüber, was sie mit dem Angebot verwirklichen wollen. Diese Vorstellungen, Wünsche und Erwartungen steuern ihre innere Motivation. Das gilt nicht nur für Freizeitangebote, sondern auch für die Zeit, die jemand beruflich in einem Unternehmen verbringt. Also auch MitarbeiterInnen wollen bestimmte Vorstellungen in ihrem Arbeitsfeld verwirklichen. Deshalb ist es wichtig, dass diese erfragt werden und dass klar wird, ob sie auch an diesem Ort, in diesem Angebot, auf dieser Reise, an diesem Arbeitsplatz realisierbar sind.

Damit diese Vorstellungen für alle möglichst früh erkennbar werden und nicht im Untergrund liegen bleiben, braucht die Leitung ein Verfahren, wie sie an diese Vorstellungen kommt. Denn nur, wenn sie die Vorstellungen der Menschen kennt, kann sie abschätzen, ob das Angebot, d.h. der Kurs, der Arbeitsplatz für diese Menschen passt. Deshalb sind die Erwartungen wichtiger Bestandteil der Teilnehmerorientierung.

Sind die Teilnehmererwartungen erhoben, muss es eine Perspektive geben, ob und wie sie umgesetzt werden. Das Geschehen steuert auf eine Vereinbarung einen Kontrakt hin, was der einzelne konkret von der Reise, dem Kurs, dem Arbeitsplatz erwarten kann. Die Erwartungen der Teilnehmer sind die eine Seite des Vertrages/Kontraktes. Die andere Seite des Vertrages besteht darin, dass die Leitung auch ihrerseits ihre Vorstellungen formuliert und überprüft, ob die Vorstellungen kompatibel sind. Diese Vorstellungen beinhalten die Bedingungen für die Teilnahme an der Reise, die Erarbeitung der Kursziele, das Tätigkeitsprofil und die Bedingungen des Arbeitsplatzes. Erst, wenn beide Seiten abgeglichen sind, gibt es einen verbindlichen Kontrakt, auf den sich alle beziehen können. ( s. Eingangsphase/Kontrakt)

 Teilnehmerorientierung bedeutet weiter, Lernschritte, Erfahrungsimpulse, Arbeitseinheiten so zu gestalten, dass sie den psychologischen Bedingungen des Lernens, des Arbeitens und des Wahrnehmens der Teilnehmer entsprechen. (s. Arbeits- bzw. Durchführungsphase)

Die Gruppen- wie Lern- und Arbeitsphasen folgen einer Gesetzmäßigkeit und bestimmen das Tempo in Gruppen und Teams. In der teilnehmerorientierten Vorgehensweise hat die Leitung die Aufgabe, diese Phasen zu kennen, zu gestalten und in den verschiedenen Phasen entsprechend zu handeln. ( s. Gruppen- und Lern-Arbeitsprozess) Dafür braucht die Leitung die Kenntnisse und Fertigkeiten, wie ein Lern- oder Arbeitsprozess gestaltet und ausgewertet wird, wie die Machtkampfphase bearbeitet wird und was sie dazu beitragen kann, den Abschluss einer Phase zu gestalten.

Orientiert sich die Leitung an den Teilnehmern, den Mitarbeitern, gelingt es ihr weiter, die Inhalte und Aufgabenstellungen auf den Lernrhythmus und das Arbeitstempo der Gruppe abzustimmen, dann erreicht sie die Ergebnisse, die mit dieser Gruppe, diesem Team möglich sind.    

Teilnehmerorientierung heißt also nicht, auf Leitung zu verzichten, aus dem etwas zu formen, was die Teilnehmer mitbringen, ihre Begabungen, ihre Erfahrungen, ihr Vorwissen, In der Weiterbildung und bei Veranstaltungen und Reisen heißt Teilnehmerorientierung mehr, als nur Wünsche zufrieden zu stellen. Den die Teilnehmer wollen mit den anderen in Kotakt kommen, die anderen kennenlernen, etwas gemeinsam machen, von den Erfahrungen der anderen profitieren. In der Weiterbildung suchen die einzelnen auch Unterstützung im Lernen, dass sie bis zum Ende durchhalten und dass sie von der Dynamik der Lerngruppe profitieren.

Teilnehmerorientierung ist letztlich von den Bedingungen der Herstellung gefordert. „Hergestellt“ wird bei einem Fest Gemeinschaft und Zusammenhalt, in einem Kurs Kenntnisse und Fertigkeiten, bei einer Reise die Begegnung mit einer anderen Kultur, mit Kunstschätzen und Natur. Was „hergestellt“ wird, entsteht nicht wie eine Mahlzeit in der Küche, wie ein Auto in einer Fabrik, sondern der Herstellungsort sind die Teilnehmer, in ihnen entstehen neue Erfahrungen, das Sich-kennenlernen und etwas gemeinsam auf die Beine stellen, Zusammenhänge verstehen, eine andere Sprache verstehen und sogar sprechen können. In einem pädagogischen Seminar ist das Ergebnis, mit der Erziehung der eigenen Kinder besser zurecht kommen, Gesundheitsseminare führen zu einem anderen Verhältnis zum eigenen Körper und anderen Essgewohnheiten, in Sport- u.a. Trainings werden Verhaltensabläufe eingeübt. Immer ist es etwas, das in dem Teilnehmer entsteht. Je näher die Leitung an den Erfahrungen, den Begabungen der Teilnehmer bzw. Teammitglieder ist, je besser sie Kommunikation in der Kursgruppe oder im Team aufbaut, je mehr sie die Ressourcen freisetzen kann, je besser sie einen Rhythmus findet, der den Teilnehmern Konzentration und Entspannung ermöglicht, desto besser das Ergebnis.